Das Ende einer Geschichte – Abschied von Cristal
Es ging auf einmal sehr schnell. Und doch weiß ich heute: Eigentlich hatte Dein Abschied längst begonnen.
Rückblickend kann ich ihn auf den Tag genau erkennen – dreizehn Tage nachdem unsere Lieblingstierärztin und Freundin gegangen war. Zufall? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Eine Freundin sagte sogar, es sehe aus, als seist Du ihr gefolgt …
Und ich selbst spürte, wie ich von einer tiefen Trauer in die nächste glitt.
Auch das mag jeder sehen, wie er möchte. Ich weiß nur: Die letzten Wochen mit Dir waren eine unheimlich intensive, sehr besondere Zeit. Du warst 15 Jahre, 4 Monate und 5 Tage an meiner Seite, und in all diesen Jahren waren wir nur zweieinhalb Tage voneinander getrennt (unfreiwillig).
Wenn so eine gemeinsame Geschichte an ihr Ende kommt, steht die Welt still und gleichzeitig gerät alles ins Wanken. Nichts ist mehr, wie es einmal war.
Und doch war darin nichts Dunkles, sondern etwas ganz anderes: ein heiliger Raum von drei Wochen und drei Tagen – eine Zeit des leisen Hinübergleitens, in Deinem ganz eigenen Rhythmus. Ein leises, friedliches, getragenes Feld, das mich durch diese Zeit geführt hat und das ich kaum in Worte fassen kann.
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Weitere InformationenDu hast es mir leicht gemacht
Du hast es geschafft, mein geliebtes kleines Mädchen. Dein kleiner Körper konnte nicht mehr, aber Du bist diesen Weg so gegangen, wie Du gelebt hast: sanft, leise, unscheinbar – und doch mit einem Riesenplatz hier bei uns und in meinem Herzen.
Anders als bei Chloé oder Praios, die alles getan haben, damit ich nichts merke, war Dein Prozess sehr sichtbar.
Währenddessen spürte ich durchgehend, dass ich nicht allein war – ich fühlte mich vollständig getragen und beschützt. Zu keinem Zeitpunkt war ich unsicher, panisch oder verzweifelt. Es war hart, Dich zu begleiten, ja, aber zugleich war ich durchdrungen von Dankbarkeit. Ich durfte vortrauern. Ich durfte weinen. Ich durfte mir Zeit nehmen für Dich, für uns alle hier, für diesen Abschied, der sich wie ein Wimpernschlag anfühlte und zugleich wie ein langer, kräftezehrender Weg.
Du hast es mir so leicht gemacht, weil Du wusstest, wie Sterben geht. Du hattest keine Angst. Du hattest keine Schmerzen, denn dafür habe ich immerzu gesorgt. Und ich habe Dein Vertrauen ununterbrochen gespürt. Du hattest so ein tiefes Vertrauen darin, dass ich es kann – selbst in den Momenten, in denen in mir leise Zweifel auftauchten.
Ich bin unendlich dankbar für mein Wissen über alles, was am Lebensende geschehen kann. Genau dieses Wissen hat mir die Ruhe und die Kraft gegeben, in meiner Mitte und klar im Kopf zu bleiben. Natürlich war alles hoch emotional – und gerade deshalb war ich in der Lage, Dich so zu begleiten, wie Du es Dir gewünscht hast.
Für die Tierkommunikation bin ich ebenfalls von Herzen dankbar, denn ich war die ganze Zeit mit Dir in Verbindung: Ich wusste sofort, wann Du raus musstest, wann Du Durst hattest und was Du gerade brauchtest.

Wir hatten Zeit für den Abschied
Ich bin Dir zutiefst dankbar, dass Du mir diese Deine letzte Zeit geschenkt hast. Dass wir beide Zeit hatten, Abschied zu nehmen – Du von uns und von Deinem irdischen Zuhause und wir von Dir.
Danke auch, dass es ganz anders sein durfte als damals bei Chloé – ein gewaltiger Schock.
Danke, dass Du mich hast mitgehen lassen, bis zu Deinem letzten Atemzug … und noch weiter darüber hinaus.
Elf Tage vor Deinem Tod hast Du das Essen eingestellt.
Acht Tage vorher hast Du Deine Augen geschlossen und nie wieder geöffnet. Das hat mir viel abverlangt, denn ich wusste: Unsere Blicke würden sich in dieser Welt nicht mehr treffen. Ich habe Deine kleinen, wachen schwarzen Knopfaugen und Deinen sanften, liebevollen Blick so sehr geliebt.
Vier Tage vor Deinem Tod hast Du Dich hingelegt und bist nicht mehr aufgestanden.
Und trotzdem warst Du nie allein. Für die Zwillinge war es zwar das erste Mal, dass sie mit dem Tod in Berührung kamen, aber sie haben instinktiv alles richtig gemacht: Anaïs wich mir in dieser Zeit nicht von der Seite und die kleine Fleur ging immer wieder zu Dir, beschnüffelte und küsste Dich, wollte Dich anfangs sogar noch zum Spielen bewegen, bis auch sie verstand.
Cassiopée, Ophélia und die Zwillinge haben sich alle abgewechselt und sich zu Dir gelegt. Du konntest den Körperkontakt durchgehend spüren.
Ich habe in dieser Zeit viel mit allen gesprochen und ihnen erklärt, was gerade geschieht. Dadurch war auch für die anderen dieser Abschied ein sehr friedlicher Prozess. Weil ich in meiner Mitte war und wusste, was kommt, mussten sie mich nicht tragen, nichts auffangen und mir auch nichts abnehmen.
Um Ophélia, Cristals Tochter, war ich etwas besorgt, weil sie dabei war, ihre Mutter zu verlieren. Jedoch hat mich gerade bei ihr ihre Ruhe sehr überrascht. Sie war wie unbeteiligt und zu keinem Zeitpunkt aufgeregt, gar nichts. Auch später brauchte sie nicht zu trauern.
Der letzte gemeinsame Morgen
Am Morgen Deines Abschieds hatte der Tag gerade erst begonnen. Ich hatte Dich, wie so oft, getragen, damit Du bei uns bist und am Leben teilnimmst, so wie Du es Dir gewünscht hattest. Dein kleiner Kopf lag noch in meiner Hand. Auf einmal hast Du tief eingeatmet, ein letztes Mal, leise, fast geräuschlos. Es war 8:22 Uhr. Dein Herz schlug noch einige Minuten weiter, immer langsamer, immer schwächer, bis auch es seine Arbeit einstellte.
Und wieder stand die Welt still.
Erst 3 Jahre, 8 Monate und 11 Tage, nachdem Chloé ging …
In diesem Moment war ich jedoch vor allem eines: dankbar.
Dankbar, dass Du mir auch diesen letzten Wunsch erfüllt hast: Dass ich bei Deinem Übergang dabei sein durfte. Körperlich. Energetisch. Ganz.
Als ich Dich vorhin fragte, während ich diesen Text schrieb, ob Du noch etwas sagen möchtest, hast Du nur mit einem Augenzwinkern geantwortet: „Nein, das machst Du schon, ich bin eh nicht literarisch-philosophisch veranlagt wie Chloé.“
Das war so sehr Du. Also kommt das Schlusswort als kleine Anekdote heute von mir:
Etwa eine Woche vor Deinem letzten Atemzug kamen diese drei Sätze zu mir. Ich habe sie Dir (meistens unter Tränen) immer wieder gesagt, jedes Mal, wenn ich mich um Dich gekümmert habe. Also ständig.
Sie waren wie ein Zauberspruch, eine magische Formel, die mich durch diese Zeit getragen und mir Halt gegeben hat.
Ich danke Dir.
Bitte verzeih mir.
Ich liebe Dich.
Chloés Buch
Wenn Dich Cristals Geschichte berührt hat und Du noch tiefer in meine Erfahrungen mit Abschied, Verbindung und dem Weiterlieben hineinspüren möchtest, dann findest Du in Chloés Buch viele leise Spuren davon wieder.



